"Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."

Was hat dieses Zitat aus Antoine de Saint-Exupéry 's "Kleinem Prinzen" mit Schamanen zu tun?

Schamanismus ist nicht nur die älteste Heilkunst der Menschen: Schon vor zehntausenden von Jahren haben unsere Vorfahren herausgefunden, wie sich die Fähigkeiten des menschlichen Geistes mithilfe der spirituellen Welt optimieren ließen. Die Schamanische Reise - der Kontakt mit der "Anderswelt" mit der sogenannten "Nicht alltäglichen Wirklichkeit" bringt uns einer tiefen Weisheit und stets gültigen Wahrheit nahe, ermöglicht uns das Wesentliche zu sehen. Und nicht mit den Augen - mit dem Herzen sozusagen.

Dass dieses Können, das Wesentlich hinter den Dingen zu sehen nicht nur Schamanen sondern auch anderen "fühligen" Menschen eigen ist, darüber besteht kein Zweifel. Der kleine Prinz war wohl kein Schamane - hatte aber dank seiner Fähigkeit sehr wohl einen heilenden Einfluss auf den Menschen, dem er begegnete... Und auch wer nicht schamanisch tätig ist, sollte nie vergessen, diese Eigenschaft zu kultivieren.

Die Bezeichnung "Schamane" kann man natürlich auch im ganz engen Sinne sehen - als ein Angehöriger eines nativen Stammes, ein Medizinmann, der im Stammesleben bestimmte Aufgaben erfüllt..

Der amerikanische Antropologe Michael Harner hat den Begriff des "Core Schamanismus" eingeführt und damit zusammengefasst, worum es bei dieser Sache geht. Die Bezeichnung Schamanismus ist geblieben - sie stammt aus dem Tungusischen (Sibirien).

Michael Harner schreibt, ein Schamane ist ein "Mann oder eine Frau, der oder die - willentlich - in einen anderen Bewußtseinszustand eintritt, um mit einer normalerweise verborgenen Wirklichkeit in Berührung zu kommen und sie auszuwerten, um Wissen, Kraft und Hilfe für andere zu erhalten".

Was dabei auffällt ist das Fehlen jeglicher religiöser Definition. Dennoch gerade jene, die in starren Dogmen und Moralvorstellungen der Religionsgemeinschaften keine Antworten auf ihre Fragen finden, jene denen es an Gottesnähe mangelt, haben sich oft in den letzten Jahrzehnten dieser uralten Heilkunst zugewandt. Andere haben diesen Weg aus reinem Interesse am "Heilen" gewählt - und so trifft man in den Seminaren und Lehrgängen der Foundation for Shamanic Studies stets einen hohen Prozentsatz an Ärzten, Psychologen und Personen aus anderen Heil- sowie auch Sozialberufen. Immerhin nehmen inzwischen weltweit jährlich etwa 5.000 Personen an den Lehrveranstaltungen der FSS teil.

Nach der Harner'schen Definition waren selbstverständlich auch die keltischen Druiden Schamanen, ebenso wie die mittelalterlichen Hexen und die Propheten der Bibel. Und der ebenfalls in der Arbeit der FSS geprägte Terminus Technikus "NAW" (" Nicht alltägliche Wirklichkeit") ist augenfällig nichts anderes als die "Anderswelt" unserer keltischen Vorfahren.

 




Einer ewigen und zeitlosen Weisheit nahe zu sein, von ihr zu lernen und sich dem Universum (oder, wenn ihr wollt, nennen wir es "Gott" oder "Tao" ...) verbunden zu fühlen, eins zu werden - das ist der Kern wohl jeder Spiritualität. Ich habe den schamanischen Weg als einen möglichen und - das weltliche Wort sei verziehen - sehr "effektiven" kennengelernt.

Ein Gedicht von Manfred Kyber, der kein Schamane - aber wohl ein sehr spiritueller Mensch war - bringt es auf den Punkt:

Immer wieder und wieder
steigst du hernieder
in der Erde wechselnden Schoß,
bis du gelernt im Licht zu lesen,
daß Leben und Sterben eines gewesen
und alle Zeiten zeitenlos.
Bis die mühsame Kette der Dinge
zum immer ruhenden Ringe
in dir sich reiht -
in deinem Willen ist Weltenwille,
Stille ist in dir - Stille
und Ewigkeit.

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Letzte Änderung Juni 2007 - ewie